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Westdeutsche Allgemeine Zeitung vom 11.12.2002 Allmacht und stilles Entsetzen Mit einer Lichterkette solidarisieren sich Mündelheimer mit Familie Schäfer Von Martin Kleinwächter Mehr Menschen halten sich auf dem Hof der katholischen Kirche in Mündelheim vermutlich nur an Heilig Abend auf. Dienstag abend sind es rund 200 Personen. Mit einer Lichterkette setzen sie ein Zeichen der Solidarität mit einer Familie, demonstrieren sie dafür, die kleine Judith Schäfer (2) zurück in ihre Familie zu geben. Weil das Amtsgericht Stadtmitte Ende September 2000 den Verdacht hatte, dass Judiths Mutter Uta (30) ihrer Tochter während eines zweimonatigen Aufenthaltes in der Kinderklinik der Uni Bonn heimlich Abführmittel gegeben habe, wurde das Kind aus der Familie herausgenommen. Mittlerweile wurde den Eltern das Sorgerecht vollständig entzogen. Seit Mai, so beklagen sie, gebe es keinerlei Kontakt mehr zu dem Kind. Heute ist der Tag der Menschenrechte", spricht Cordula Zinkann, eine Freundin der Familie, die Erschienenen an. Alle halten in der Kälte ein Kerzenlicht in der Hand. Zinkann hat die Lichterkette organisiert. Menschenrechte", so fährt sie fort, das ist auch das Recht einer Familie auf den Schutz durch Gesellschaft und Staat." Familie Schäfer habe ihr Kind abgeben müssen, weil die Aussage eines Arztes genügt habe - und eine Stuhlprobe, die nicht einmal in der Krankenakte des Kindes vermerkt sei. Das ist nicht richtig." Keine anderen Hilfen seien im Gespräch gewesen, die Familie nicht gründlich gehört worden. Wir sind heute abend gekommen, um den Schäfers zu zeigen: Wir glauben an Euch, wir stehen hinter Euch und wollen, dass Judith so schnell wie möglich zu Euch zurück kommt." Dann bedankt der Vater, Bernd Schäfer (39), sich für die Anteilnahme. Judith, so sagt er, würde diese Zusammenkunft mit dem wunderbarsten Lachen der Welt quittieren. Mögen diese Lichter die Herzen jener Menschen erleuchten, die die Verantwortung tragen", betet er, bevor ihm die Stimme versagt. Die Menschen bilden eine Kette, die fast ganz um die Kirche herum reicht. Während die Glocken Minuten lang läuten, halten alle inne. Wir haben ja nicht damit gerechnet, dass es immer schlimmer kommt, dass man immer weniger helfen kann", erzählt ein entfernter Verwandter am Rande. Es ist eine Ungeheuerlichkeit", äußert sich eine Frau. Alkoholiker und Drogenabhängige dürften selbst für ihre Kinder sorgen, und dieser Familie nehme man das Kind weg. Wenn die Mutter krank ist, muss sie therapiert werden", raunt ein anderer Teilnehmer. Aber unabhängig davon sei es eine große Sauerei, wie die Behörden hier vorgegangen seien. | |