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Auszug aus dem Gutachten des Prof. Dr. V. hinsichtlich des psychologischen Zustandes von Judith (erstellt 8.4.03) ... 3. Anamneseerhebung durch den die Judith Schäfer begleitenden Pflegevater, Herrn F. am 17.02.2003 Judith Schäfer ist seit 20.07.2002 als Dauerpflegekind in der Pflegefamilie untergebracht. In der Pflegefamilie befindet sich eine eigene Tochter der Eheleute F. im Alter von 6 Jahren sowie ein weiteres Pflegekind im Alter von 4 Jahren. Nach Auskunft von Herrn F. hat sich Judith anfangs gut eingelebt. Sie braucht nach seiner Beschreibung sehr viel Aufmerksamkeit, die sie nicht gut mit anderen teilen kann. Sie überschreitet häufiger die Grenzen im Umgang mit anderen Kindern, nimmt sich Spielsachen aus deren Zimmer und provoziert damit gezielt Streit. Gleichzeitig kann sie oft die erforderliche Distanz nicht gut halten und ging insbesondere als sie noch relativ neu in der Familie war auch auf fremde Personen zu, umarmte diese und bezeichnete sie als Mama und Papa. Grundsätzlich bezöge Judith erstmal alle Dinge auf sich, hätte Schwierigkeiten andere Personen in deren eigenen Rechten wahrzunehmen (z.B. wenn ein anderes Familienmitglied Geburtstag hat). Sie wirkt dabei auf die Pflegeeltern oft "grenzenlos", schreit andere Familienmitglieder an, wenn sie schlechte Laune hat, ist aber vor allem, wenn sie alleine ist, das liebste Kind und außerordentlich anschmiegsam. Bei Aufnahme in die Pflegefamilie war Judith motorisch ungeschickt, sie sei jedoch stets bewegungsfreudig gewesen. Die Motorik habe sich jetzt sehr stark gebessert. Im Umgang mit mehreren anderen Kindern lebe Judith häufig "in ihrer Welt" und sei sehr selbstbezogen, den Umgang mit Grunppen müsse sie erst erlernen. Im Kindergarten finden derzeit erste Schnupperbesuche statt, Judith gehe gerne auf andere Kinder zu und sei durchaus lern- und wissbegierig. Sprachlich sei sie recht gut entwickelt, ihr Wortschatz sei groß und präzise. Bezüglich des Eßverhaltens gab Herr F. an: Zu Beginn habe Judith viele Dinge in die Backen geschoben und sehr langsam gegessen. Gleichzeitig hätte sie zu Beginn häufiger ein Problem gehabt, ein Sättigungsgefühl rechtzeitig zu verspüren, so daß sie öfters soviel aß, daß sie sich erbrechen mußte. Auch heute noch mache sie gerne ein Machtspiel aus dem Essen und fordere damit Aufmerksamkeit ein, die Störungen seien jedoch deutlich geringer als noch vor einem Jahr. Im Umgang mit Familienangehörigen spiele Judith viele Rollenspiele und würde häufig versuchen, als Kind bemuttert zu werden. Im Spiel mit ihren Puppen habe sie diese zu Beginn meist in eine Schachtel geräumt und diese mit einem Deckel versehen. Jetzt bemuttere sie ihre Puppen ausgiebig, lege sie in ihr Bett und versorge sie. Sie sei dabei sehr ordentlich, das gleiche gelte für Kleider und Spielzeug. Bei familiären Auseinandersetzungen gehe Judith rasch in die Opferrolle, mehr als die Situation dies erfordere: sie lege sich dann auf den Rücken und leide. Während des Jahres bei der Pflegefamilie sind häufiger Infekte der oberen Luftwege aufgetreten, Judith war jedoch nie schwer krank. Die Essensaufnahme und die Verdauung hätten nie ein ernsthaftes Problem dargestellt. Nachts treten etwa 2-3x pro Woche Träume mit anschließendem Erwachen auf, Judith schreie dann laut, weine jedoch nicht. Bei derartigen Zuständen ließe sie sich rasch wieder beruhigen. Zu Beginn der Aufnahme in die Familie sei das Bett ein wichtiger Rückzugsraum für Judith gewesen. Sie nahm damals alle Spielsachen mit in ihr Bett und wollte sie auch nicht mit den anderen Kindern teilen. Dies sei jetzt zunehmend weniger wichtig für sie geworden, und sie spiele auch besser im Austausch mit anderen Kindern der Familie. Eine gezielte Ergo- oder Psychotherapie hat bislang nicht stattgefunden. Kürzlich ist eine erste Sitzung Spieltherapie an einem Frühförderzentrum erfolgt. ...
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