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Bild der Frau" Heft 8 vom 17.02.2003 Skandal! Amt nahm dieser Mutter ihr Baby weg Schwammige Gutachten und herzlose Beamte behaupten: Uta Schäfer hätte ihr Baby krank gemacht, um die Aufmerksamkeit von Ärzten auf sich zu ziehen (Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom"). Das Sorgerecht für das kleine Mädchen wurde den Eltern daraufhin entzogen. Verzweifelt kämpfen sie jetzt um ihr Kind. Es gibt im Leben von Eltern ganz besondere Momente. Die ersten Schritte auf wackeligen Beinchen, die ersten Wörter... Uta (30) und Bernd Schäfer (38) aus Duisburg dürfen nicht dabei sein, wenn ihre kleine Tochter die Welt entdeckt. Am 29. April wird Judith drei Jahre alt", erzählt Mutter Uta, eine gelernte Erzieherin. Aber wir wissen nicht mal, wo sie ist! Man hat sie uns weggenommen, und ich kann bis heute nicht begreifen, warum!" Das Amtsgericht - unterstützt von Jugendamt und einem Professor der Uniklinik Bonn - hat den Eltern auf Lebenszeit das Sorgerecht für ihr Wunschkind entzogen. Begründung: Die Mutter leide unter dem Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom", mache ihr Kind absichtlich krank. Der Fall: Als Judith zur Welt kommt, wiegt sie nur 2400 Gramm und ist 45 cm klein (normal 3000 - 3600 Gramm und 50 - 53 cm). Das Baby leidet unter Gedeihstörungen. Sie trank zu wenig und wollte einfach nicht zunehmen", erzählt Uta Schäfer. Alle zwei Stunden, rund um die Uhr, füttert sie ihre Tochter. Doch auch ihr Kinderarzt weiß keinen Rat, und als sich Judiths Zustand verschlechtert, überweist er sie in eine Klinik nach Düsseldorf. Dort wurde sie zwar durch Infusionen ernährt, aber dann bekam sie noch einen schlimmen Darmvirus. Sie hatte ständig Durchfall." Mit der Diagnose chronischer Durchfall" wird Judith in die Uni-Klinik Bonn verlegt. Tag und Nacht ist ihre Mutter bei ihr, der Vater kommt in jeder freien Minute. Unsere Sorgen wurden immer größer. Und kein Arzt konnte uns eine Erklärung geben." Zaghafte Vorschläge der Mutter, wie z.B. das Kind mit Karotten zu füttern, weil die leicht verdaulich sind, werden vom Klinikpersonal ignoriert. Der leitende Chefarzt, Professor Dr. L., schlägt den verzweifelten Eltern schließlich eine Dünndarm-Transplantation vor. Ein großer Eingriff, der nicht in seiner Klinik, sondern in Paris gemacht werden solle. Die verständliche Reaktion von Uta und Bernd Schäfer: Wir wollten darüber nachdenken und eine zweite Meinung einholen." Heute glauben die Schäfers, dass sie damit den Professor gegen sich aufgebracht haben. Denn der schaltet hinter dem Rücken der Eltern das zuständige Familien-Gericht Duisburg ein und äußert den Verdacht, Uta Schäfer mache ihr Kind selbst krank, gebe Judith heimlich Abführmittel. Für Gerald Schädlich, Anwalt der Schäfers, ist diese Begründung nicht haltbar. Er sagt: Es gibt bis heute überhaupt keine Beweise dafür. Auch nicht dafür, dass meine Mandantin psychisch krank ist." Was ihm sehr merkwürdig vorkommt: Wenn der Professor von Anfang an gewusst haben will, dass Frau Schäfer ihr Kind absichtlich krank macht: Warum schlägt er dann eine so schwierige Operation überhaupt vor? Die wäre ja total überflüssig. Und warum lässt er es zu, dass die angeblich so gefährliche Mutter über viele Monate Tag und Nacht am Bett ihrer Tochter sein darf?" Im Herbst 2000 - Judith ist ein halbes Jahr alt - wird sie vom Jugendamt zu Pflegeeltern gebracht. Die Operation ist nicht erfolgt, denn als man Judiths Ernährung umgestellt hat (auf Karotten!), wird der Durchfall tatsächlich besser. Die Pflegemutter erlebt die Schäfers immer als sehr liebevoll und fürsorglich. Judith ging es gut. Sie entwickelte sich körperlich etwas langsamer als andere Kinder, aber der Durchfall war weg. Ich habe die Kontakte zu den Eltern immer mit gutem Gewissen zugelassen." Aber Jugendamt und Amtsgericht entziehen den Schäfers das Sorgerecht auf Lebenszeit. Stützen sich dabei auf das mehr als schwammige Gutachten von zwei Psychologen, die zu dem Fazit kommen: Es kann sein, dass die Mutter unter dem Syndrom leidet, es kann aber auch sein, dass man ihr Unrecht tut. Anwalt Schädlich: Der bloße Verdacht reicht für die aus, um so ein Urteil zu fällen. Wenn es sein muss, gehen wir bis zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte." Offenbar weil sich Judiths Pflegeeltern für die Schäfers einsetzen, wird das Kind von Amts wegen neuen Pflegeeltern übergeben. Der Kontakt zu Judith ist seit Mai letzten Jahres abgebrochen. Uta Schäfer kann das alles nicht fassen: Was tut man unserer Kleinen bloß an?!" Professor L. aus Bonn beruft sich übrigens auf seine ärztliche Schweigepflicht" und gibt keinerlei Kommentar zu Judith ab. Und das Jugendamt teilt mit, es sei nur die ausführende Behörde, die den Beschluss des Familiengerichtes umsetzt. Mit knappen Worten wird so das Schicksal einer ganzen Familie abgetan. Kai Kapitän |