BILD vom 28.12.2002

Die verzweifelten Eltern klagen an
Uns wurde Judith weggenommen

von Markus Brekenkamp

Duisburg - Kann es Grausameres für Eltern geben? Bernd (39, Angestellter) und Uta Schäfer (30, Pädagogin) weinen um ihre Tochter Judith (2). Das Mädchen ist an einem unbekannten Ort, bei fremden Leuten. Angeblich zum Wohl des Kindes.

„Wir werden den Kampf um unseren Engel niemals aufgeben" sagen die Eltern entschlossen.

Das Drama begann kurz nach der Geburt des Wunschkindes (29. April 2000). Weil Judith nicht richtig saugen konnte, brachten die Eltern sie in eine Klinik. Dort infizierte sich das Mädchen mit einem Virus, litt Wochen lang an Durchfall. Schließlich wurden Kind und Mutter in die Uni-Klinik Bonn verlegt.
Uta Schäfer: „Plötzlich kam der Chefarzt und warf mir vor, ich würde Judith heimlich Abführmittel geben." Medizinische Befunde konnte er nicht vorlegen. Trotzdem stand für den Arzt fest: Uta Schäfer leidet am „Münchhausen by proxy Syndrom". Solche Mütter sind psychisch krank und misshandeln ihre Kinder.
Auf den Verdacht des Arztes steckte das Familiengericht Duisburg das Kind in eine Pflegefamilie. Doch die Eltern hielten regelmäßig Kontakt zu Judith, fuhren mit den Pflegeeltern in Urlaub und holten die Tochter auch über Nacht zu sich. Ohne Zwischenfälle.
Doch als der Jugendrichter davon erfuhr, griff er ein. Im Mai 2002 wurde Judith abgeholt. „Sie wurde förmlich verschleppt. Wir haben sie seit dem nicht mehr gesehen", klagen die Eltern.
„Menschen verachtende Willkür", sagt Volker Laubert (59) von der "Aktion Rechte für Kinder". Er kämpft an der Seite der Eltern vorm Bundesgerichtshof um Judith.