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Ingo Schäfer Butterweg 19 47059 DuisburgAugust 2002 Eine Chance für Judith und ihre Familie Sehr geehrte Damen und Herren, als Onkel (Bruder des Vaters) der kleinen Judith bin ich entsetzt und fassungslos, hinsichtlich der Maßnahmen, die man aufgrund keinesfalls eindeutiger Fakten über Judith und die komplette Familie verhängt hat. Es macht mich ungeheuer wütend und nachdenklich, wenn ich erlebe, mit welcher Inkompentenz, Voreingenommenheit und Blauäugigkeit dieses Verfahren (in dem es um ein kleines Mädchen geht !!!) von Seiten der entscheidenden Institutionen (Familiengericht, Jugendamt, Verfahrenspflegerin) geführt wurde und wird. Angefangen von fehlenden Beweisen (die es meiner Überzeugung nach auch nicht geben kann), über das blinde und niemals in Zweifel gezogene Vertrauen in die Ausführungen der Bonner Universitätsklinik (die ja letztlich als Verursacher dieses Kindesentzuges als nicht neutral anzusehen ist), bis hin zur Ignorierung wichtiger Fakten und Verhängung von verfassungsmäßig äußerst bedenklicher Maßnahmen (die in krassem Mißverhältnis zur Faktenlage stehen und dem garantierten Schutz einer Familie absolut widersprechen), ziehen sich die eklatanten, stümperhaften Fehler wie ein roter Faden durch das gesamte, mittlerweile fast zwei Jahre andauernde, Verfahren. Warum wird z.B. nicht mit einbezogen, dass es Judith während des Aufenthaltes in der ersten Pflegefamilie sehr gut ging und sie sich prächtig entwickelt hat, obwohl sie seit Februar 2001 (!!) unzählige Male unbeaufsichtigt mit ihren Eltern war??? Statt dessen schiebt man ein Szenario von einer riesigen theoretischen Gefahr vor, welche es in der Realität niemals gegeben hat... Wäre es auf der anderen Seite nicht ziemlich fahrlässig und verant-wortungslos von den entscheidenden Institutionen gewesen, bei einer solchen theoretischen Gefahr, die angeblich von der Mutter ausging, einen so intensiven Kontakt (der allen bekannt war!!!) zu Judith zu zulassen und die Verantwortung der, angeblich in dieser Hinsicht nicht geeigneten, Pflegefamilie aufzuerlegen??? Ich hatte in all den Monaten ständigen, regelmäßigen Kontakt mit Judith und ihren Eltern und kann nur betonen, dass es ihr in der gesamten Zeit immer gut ging und sie stolz auf die Fürsorge und Aufmerksamkeit ihrer Eltern sein kann. Sie hat ihren festen Platz sowohl in ihrer eigenen, aber auch in unserer gesamten Großfamilie und es ist schon tollkühn und unverschämt (und es entlarvt letztendlich die abgrundtiefen Gedankengänge eines Familiengerichtes) zu behaupten, dass Judith in ihrem Familienverbund in Gefahr sei. Wie realitätsfremd und wirklichkeitsfern muss ein Familienrichter sein, der den schützenden Halt einer Großfamilie ignoriert und statt dessen behauptet, dass bei einer Rückkehr Judiths in ihre Familie der innerfamiliäre Druck zu groß wäre??? Da stellt sich mir natürlich die Frage, warum es Judith während der gesamten Zeit bei der Familie Scheberg (insbesondere seit Februar 2001 - als sie unzählige Male unbeaufsichtigt mit den leiblichen Eltern war) niemals schlecht ging oder warum sie nie unter unerklärlichen Symptomen litt??? Entweder hat doch der schützende Halt durch die Großfamilie (aber auch durch das große soziale Umfeld aus Freunden, Verwandten !!), Wirkung gezeigt oder aber, was ich stark annehme, der Vorwurf "Münchhausen-by-Proxy-Syndrom" ist eine Erfindung der Universitätsklinik Bonn, um von eigenen Unzulänglichkeiten abzulenken, und die Erkrankung der Mutter hat de facto niemals bestanden... Sollte es nicht das höchste Ziel eines Familiengerichtes sein, eine Familie zu erhalten, sie notfalls durch Hilfen zu unterstützen und zunächst alle Möglichkeiten zur Erhaltung auszuschöpfen, bevor man als letztes Mittel zur absoluten und lebenslangen Trennung greift - die unter die Rubrik Sippenhaft fällt??? Zumal die vorliegenden "Beweise" (Stuhlprobe ohne Herkunftsnachweis; keine auffälligen Beobachtungen; unüberprüfbare Behauptungen der Bonner Klinik usw.) im Strafrecht absolut untauglich wären, aber in diesem Familienrechtsverfahren für die absolut härteste aller Maßnahmen herangezogen werden... Es ist eines Landes, in dem Kinder und Familien einen angeblich so hohen Stellenwert besitzen, unwürdig, dass aufgrund der Fülle von entlastenden Fakten und den daraus folgenden Zweifeln an der Bonner Theorie überhaupt ein solches Verfahren möglich ist und, was noch erschreckender ist, dass diese zweifelhafte Basis als Grundlage für den Entzug Judiths aus ihrer gesamten Familie dient. Welcher Entscheidungsträger auch immer diesen Brief liest, machen Sie diesem Trauerspiel, diesem Skandal, ein Ende und geben Sie Judith und ihrer Familie endlich die Chance auf ein normales Familienleben. Das Unrecht, das man ihnen seit über zwei Jahren antut und sicherlich nicht wieder gut zu machen ist, darf nicht dazu führen, dass man nun aus gekränkter Eitelkeit des Gerichtes gar nichts mehr tut. Die Selbstachtung und das Verantwortungsbewußtsein gebieten es dringend, im Namen der Menschlichkeit, diesen Fehler endlich zu beheben. In der Hoffnung, dass Rechtsstaatlichkeit am Ende auch etwas mit Gerechtigkeit zu tun hat, verbleibe ich mit freundlichem Gruß Ingo Schäfer |