Mein Lebenslauf...
Also, so sah ich mit
5 Tagen aus,...
...und so sah ich im Dezember 2003 aus.
so mit 2 Jahren...
(Schlafen war mein allererstes Hobby)
(ups, da ist mir bei der Weihnachtsbäckerei doch glatt die Kochmütze ins Gesicht gerutscht)
(knapp 3 Wochen bevor ich anonym untergebracht wurde)
Zwischen diesen Bildern liegen drei lange Jahre,
von denen ich euch nun berichten möchte...

Ich wurde am 29.April 2000 um 4.51 Uhr im St.Anna-Krankenhaus in Duisburg - Huckingen geboren. Damals wog ich genau 2.400g und war gerade einmal 45cm klein.
Zu Beginn war ich ganz schön trinkfaul und wollte eigentlich immer nur schlafen. Der Kinderarzt der Geburtsklinik bezeichnete mich schon damals als "dystroph" (dies bedeutet: zu klein, zu zierlich...).
Nach knapp drei Wochen durfte ich die Klinik endlich verlassen und bin zu Hause eingezogen. Da war es zwar sehr schön, aber das Trinken hat mir auch dort keinen Spass gemacht. Oft haben Mama und Papa ganz viel Zeit damit verbracht, mich zu füttern, doch das habe ich nicht so recht mitbekommen, weil ich meistens mit Schlafen beschäftigt war. Doch wir haben auch noch andere schöne Dinge unternommen: wir sind z.B. ganz viel spazieren gegangen und haben die Omas und Opas besucht (und alle anderen, die zu meiner Familie gehören...). Ich habe mich von allen verwöhnen lassen (besonders aber von Mama und Papa.... die sind immer gesprungen, wenn ich es wollte). Am meisten aber habe ich das Baden und Kuscheln genossen, das war richtig klasse.

Alles war eigentlich ganz normal - bis zum 21. Juni 2000... An diesem Tag hat mich mein Kinderarzt in die Kinderklinik in Düsseldorf-Kaiserswerth einweisen lassen, weil ich nicht genug getrunken habe.
Meine Mama hat mich aber begleitet und Papa hat uns in jeder freien Minute besucht. Im Krankenhaus hat man dann ganz viele "gemeine" Untersuchungen mit mir und an mir gemacht... Das fand ich gar nicht lustig.
Am 25. Juni 2000 durfte ich das Krankenhaus dann für ein paar Stunden verlassen, weil an diesem Tag
meine Taufe stattfand - das war vielleicht spannend...
Ein paar Tage später habe ich dann auch noch diesen ätzenden Durchfall bekommen und fühlte mich ganz schön schlapp. Nein, jetzt wollte ich überhaupt nichts mehr trinken und so hat man mir Infusionen und andere Medikamente gegeben... Doch leider war der Durchfall sehr hartnäckig, denn ich hatte mir einen blöden Krankenhauskeim (Adenovirus) eingefangen...
Nachdem man meinen Durchfall in Kaiserswerth nicht stoppen konnte, wurde ich am 27.07.2000 in die Uni Kinderklinik nach Bonn verlegt, weil man dort eine gastroenterologische Abteilung (für den Magen- und Darmbereich) für Säuglinge und Kleinkinder hat. Auch dort wurden wieder ganz viele Untersuchungen (Magen- und Darmspiegelungen, Ultraschall- und Blutuntersuchungen usw.) gemacht, aber man hat einfach nichts gefunden. Ich war immer noch zu klein, war immer noch zu leicht und Freude an der Nahrungsaufnahme hatte ich immer noch nicht. Doch das Schlimmste war dieser Durchfall, der nicht aufhören wollte. Die Ärzte konnten sich das nicht erklären und wollten nicht daran glauben, dass der Durchfall mit dem Adenovirus zusammenhing, obwohl die Ärzte in Kaiserswerth dies taten.

Den 29. September 2000 würde ich am liebsten aus meinem Lebenslauf streichen, denn dieser Tag hat mein weiteres Leben völlig verändert... Mama und Papa hatten ein Gespräch mit dem behandelnden Oberarzt und dieser sagte ihnen, dass sie mich nun alleine lassen müßten, da er eine ganz böse Vermutung hat. Er glaubte nämlich, dass meine Mama an meinen Durchfällen Schuld sei. Man würde dies "Münchhausen-by-Proxy-Syndrom" nennen (dies bedeutet, dass Mütter ihren Kindern Schaden zufügen, um mehr Aufmerksamkeit zu bekommen). Der Oberarzt hatte sich bereits einen Beschluss vom Familiengericht Duisburg besorgt, der ihm die Trennung erlaubte. Da waren meine Eltern und ich ganz doll traurig, aber sie mußten mich allein lassen, weil der Arzt sonst die Polizei geholt hätte.
Ich wurde dann auf die Intensivstation verlegt, damit man sich dort angeblich intensiver um mich kümmern konnte.
Mama und Papa durften mich erst am 01.10.2000 wieder besuchen, aber da war ich erst einmal eingeschnappt, weil ich das alles nicht kapiert habe... Erst sind Mama und Papa immer da und dann auf einmal bleiben sie weg, das konnte ich einfach nicht verstehen. Aber dann haben sie mich wieder jeden Tag besucht - allerdings durfte ich nie mit ihnen alleine sein, weil immer eine Krankenschwester dabei sein mußte.

Am 19. Oktober 2000 bin ich dann in eine Pflegefamilie gekommen, weil der Amtsrichter dies so beschlossen hatte. Der Chefarzt aus Bonn hatte ihm nämlich erzählt, dass er sich ganz sicher sei, dass meine Mama für meine Durchfälle verantwortlich war. Und der Richter hat ihm ohne Beweise einfach geglaubt...
Die Pflegefamilie war wirklich klasse. Sie haben mich ganz lieb aufgenommen und Mama & Papa durften mich dort ganz oft besuchen. In der Pflegefamilie war ich nicht alleine, ich hatte gleich zwei große "Schwestern" (12 und 14 Jahre), die waren echt toll und ich konnte mir `ne ganze Menge von ihnen abschauen... (besonders das Schimpfen und Motzen). Die Pflegefamilie hat mich ganz schnell ins Herz geschlossen und ich sie auch.
Mama & Papa sind mit Detlef & Marion (so hießen meine Pflegeeltern) ganz gut ausgekommen. Sie haben sich ja auch fast jeden Tag getroffen und viel unterhalten... das fand ich ziemlich gut!!!!! Ist doch schöner, als wenn sie sich nur gestritten hätten. An manchen Tagen konnten Mama und Papa mich nicht besuchen, weil Marion und ich unterwegs waren (z.B. Freunde besuchen oder Vanessa /Lisa hatten Termine bei denen ich dabei sein durfte), da haben Mama und Papa dann abends mit Marion oder Detlef telefoniert, um zu erfahren wie es mir so ergangen ist.
Ganz oft bin ich mit Mama und Papa zu Oma und Opa gefahren und habe dort mit meinen Cousins und Cousinen gespielt... davon habe ich nämlich eine ganze Menge. An den Wochenenden sind wir gemeinsam spazieren gegangen oder haben Ausflüge gemacht (z.B. zum Bauernhof, Streichelzoo, Tierpark usw.) und wir haben gaaaanz viel zusammen gespielt...

Am Morgen des 17. Mai 2002 nahm diese fröhliche Zeit dann leider ein jähes Ende. An diesem Tag wurde ich nämlich aus meiner vertrauten Umgebung gerissen und einfach woanders hingebracht. Man nennt das "anonyme Unterbringung". Der Familienrichter, die Verfahrenspflegerin der Caritas und die Jugendamtsmitarbeiter fanden, dass dies für mein (!) Wohl das Beste sei. Doch meine Wünsche und Bedürfnisse haben niemanden interessiert.
Dafür verrate ich euch jetzt die Stationen meiner "anonymen" Unterbringung: nach der Herausnahme aus meiner ersten Pflegefamilie habe ich zunächst zwei Monate in einem Kinderheim in Düsseldorf verbracht, bevor ich im Juli 2002 zu einer Pflegefamilie nach Köln kam. Dort lebte ich fast ein Jahr, bis man mich im Juni 2003 - angeblich wegen der öffentlichen Aktivitäten meiner leiblichen Familie - in ein Heim nach Lüdenscheid brachte.
Der Duisburger Amtsrichter und die anderen Entscheidungsträger waren der Meinung, dass eine lebenslange Trennung von meiner gesamten Familie das Beste für mich gewesen wäre. Mama und Papa sollten noch nicht einmal ein Foto von mir bekommen, weil man darauf angeblich hätte sehen können, wo ich "anonym" untergebracht wurde... So`n Quatsch können sich auch nur Erwachsene mit Magengeschwüren ausdenken!!!
Zu meinem Glück war der Richter beim Oberlandesgericht etwas anderer Ansicht und hob die totale Trennung am 1.
August 2003 auf. Seitdem durfte ich meinen Papa, meine Omas und Opas und den Rest der Familie zweimal im Monat sehen, nur meine Mama zunächst noch nicht.
Doch am 16. Februar 2004 hatte auch diese unbefriedigende Situation schließlich ein Ende: nach fast 45 Monaten durfte ich endlich wieder zu Mama & Papa nach Hause...

Wenn ihr noch mehr Bilder von mir sehen wollt,
könnt ihr euch auch
"Mein Fotoalbum" anschauen...