März 2003
Meine liebe Judith,

nun sind es bereits über 300 Tage, die man Dich vor uns versteckt hält, aber es vergeht kein einziger Tag, keine einzige Stunde an denen wir nicht ganz doll an Dich denken und Dich unendlich vermissen. Und auch wenn uns niemand darüber informiert, wie es Dir jetzt geht und was Du gerade tust, so sind unsere Gedanken Dir trotzdem stets nah.

Doch in unsere Gedanken mischen sich auch gleichzeitig unendliche Trauer und große Wut, Dich irgendwo in der Fremde zu wissen, fernab von sooo vielen Menschen, die Dich lieb haben.

Gerade jetzt, wo der Frühling vor der Tür steht, gibt es so vieles zu entdecken... Wie gerne würde ich mit Dir wieder Fahrradausflüge in die Natur machen, Dir die vielen Blumen und Bäume erklären und auch die vielen Krabbeltiere. Wie gerne würde ich mit Dir wieder auf den Spielplatz gehen oder ein großes Picknick machen. Wie gerne würde ich mit Dir wieder LEGO-Häuser bauen oder bunte Bilder malen... Doch leider ist die Erwachsenenwelt furchtbar kompliziert und Du bist noch zu klein, um das zu verstehen - ich kann es ja selbst nicht verstehen. Aber eines, liebe Judith, das verspreche ich Dir: Wir werden so lange um Dich kämpfen bis Du endlich wieder zuhause sein darfst und dann holen wir all die wunderbaren Dinge, die man Dir jetzt vorenthält, nach.

Auch darfst Du niemals vergessen, dass Du etwas ganz besonderes bist. Nur Du bringst einen finsteren Raum zum Erleuchten, nur Du besitzt die Fähigkeit, eine traurige Stimmung nur durch Dein unnachahmliches Lachen ins Gegenteil zu verkehren und nur Du bist die Energiequelle, die uns all die Demütigungen und Ignoranz ertragen läßt...

Für heute schließe ich, doch unsere Gedanken bleiben bei Dir. Einen ganz dicken Kuss von der Mama und natürlich von mir

Dein Papa