Stefanie Höffges
Dionysiusweg 77

47259 Duisburg
                                                                                    Duisburg, im Juli 2002



Sehr geehrte Damen und Herren,

mein Name ist Stefanie Höffges, ich bin 30 Jahre alt und bin seit meinem 16. Lebensjahr mit Uta Schäfer befreundet. Wir haben viel Zeit in unserer Freizeit und unter anderem in der Jugendarbeit in der Gemeinde Mündelheim als Mitglieder und Leiter verbracht. Bis heute ist unsere Freundschaft erhalten.
Bernd Schäfer habe ich erst durch Uta kennengelernt. Seitdem gehört auch Bernd als guter Freund zu meinem Bekanntenkreis.
Ich durfte mit Uta und Bernd Ihre Hochzeit und die Geburt ihres ersten Kindes, Judith feiern.
Sie waren ein glückliches Paar und freuten sich sehr über ihre erste Tochter.

Doch nach einer problemlosen Schwangerschaft veränderte sich ihr Leben drastisch. Uta und Bernd erfuhren durch ihren Arzt, daß Judith in den letzten Schwangerschaftswochen nicht mehr zugenommen hatte. Judith kam zwei Wochen mit Untergewicht zu früh auf die Welt. Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus nahm Judith immer noch nicht zu. Es stellte sich heraus, daß sie an einer Trink- und Gedeihstörung erkrankt war und deshalb nicht zunehmen konnte. Judith wurde in das Krankenhaus in Düsseldorf-Kaiserswerth eingewiesen, mit der Hoffnung, daß Gewichtsproblem von Judith in den Griff zu bekommen. Doch der Zustand von Judith verschlechterte sich, da sie durch einen in der Klinik zugezogenen Adenovirus Durchfall bekam. Judith wurde mit ihrer Mutter in die Bonner Uniklinik verlegt, da sich Judiths Zustand immer noch nicht besserte. Den Durchfall zu stoppen und Judiths Gewichtszunahme bekamen die Ärzte auch dort nicht in den Griff. Statt dessen wurden mehrere für Judith anstrengende Untersuchungen durchgeführt, weil man davon ausging, daß der Adenovirus nicht der Verursacher war. Die Ärzte kamen jedoch zu keinem Ergebnis, statt dessen wurde Uta unterstellt, Judith Abführmittel zu geben. Den Umgang mit Judith wurde den Eltern durch einen einstweiligen Beschluß beim Amtsgericht in Duisburg untersagt. Uta wurde beschuldigt, am Münchhausen by proxy Syndrom erkrankt zu sein. Judith kam in eine Pflegefamilie. Den Eltern wurde ein intensives Besuchsrecht gewährt, darunter haben sie sehr gelitten.

In dieser Zeit sind jedoch viele Fehler von Ärzten und Behörden gemacht worden. Warum wurde Uta Schäfer nie bei frischer Tat ertappt, Judith Abführmittel zu geben? Bis heute kann noch nicht mal nachgewiesen werden, zu welchem Zeitpunkt die mit Abführmittel enthaltene Stuhlprobe entnommen wurde. Der Uniklinik Bonn war anfangs der Vater bzw. der Ehemann von Uta unbekannt. Erst nachdem eine Verfügung der Mutter eingereicht wurde, fiel es der Klinik auf, daß es doch noch einen Vater bzw. Ehemann gibt. Warum sagt der Chefarzt vor Gericht aus, daß Judith nach der Trennung der Eltern kein Durchfall mehr hatte und die Nahrung nicht umgestellt wurde? Wieso steht aber in der Krankenakte von Judith, daß erst nach wenigen Tagen durch Umstellung der Nahrung und Medikamenten erst der Durchfall aufhörte?

Das Jugendamt hielt es nicht mal für wichtig, sich über die Familie Schäfer zu informieren. Keiner der Familienmitglieder oder Verwandte und Bekannte wurden aufgesucht, um sich ein Bild von deren Umgebung und Lebensverhältnisse zu machen. Dann hätte das Jugendamt gewußt, daß Uta und Bernd mit allen Auflagen einverstanden gewesen wären, die das Jugendamt gestellt hätte, um ihre Tochter bei sich zu haben. Sie aufwachsen zu sehen. Selbst die Mutter wäre sofort bereit, eine Mutterkind Therapie in der Paracelsus-Wittekind-Klinik in Bad Essen durchzuführen. Vorgespräche haben bereits mit dem Chefarzt stattgefunden, der von einer Behandlungsmöglichkeit von Mutter und Kind überzeugt ist. Ein psychologisches Gutachten wurde bereits über Uta gestellt, daß das Münchhausen Syndrom nicht ausschließt.
Das Gleiche kann man von der Verfahrenspflegerin behaupten. Hat sie nicht die Aufgabe sich regelmäßig um das Wohl des Kindes zu erkundigen und Judith persönlich zu besuchen? Dies ist aber leider nicht all zu häufig geschehen. Dann hätte sie gesehen, wie Judith sich auf ihre Eltern gefreut hat, wenn die Eltern sie besuchten und mit ihr spielten.

In den letzten zwei Jahren ist eine schwere und sehr wertvolle Zeit für Judith und deren Eltern und Verwandte vergangen. Besonders jetzt, nachdem Judith plötzlich und unerwartet aus der Pflegefamilie gerissen wurde und in ein Kinderheim verlegt wurde. Die Eltern wissen bis heute nicht, in welchem Kinderheim Judith lebt geschweige denn, wie es ihr geht!!!

Warum bekommt Judith nicht eine Chance bei ihrer Familie aufzuwachsen? Obwohl die Eltern dazu bereit sind, sich mehrere Auflagen zur Kontrolle von Judith unterziehen zu lassen. Soll denn ein Heim ohne Familie für ein Kind besser sein?
Ich finde das nicht und bitte Sie, sich diesem Fall noch einmal anzunehmen, denn die Familie Schäfer hat eine Chance verdient.

Mit freundlichen Grüßen

Stefanie Höffges