"Eine Verfahrenspflegerin ist die personifizierte Interessensvertretung eines Kindes vor Gericht; ein Anwalt des Kindes. Die Verfahrenspflegerin sollte immer zum Wohl des Kindes handeln."

"Die Aufgabe der Verfahrenspflegerin ist das Erarbeiten des Kindeswillens im Austausch mit dem Kind und auf Grundlage des pädagogischen / psychologischen Fachwissens. Die Aufgabe ist aber auch, Gespräche mit den Verfahrensbeteiligten und anderen wichtigen Kontaktpersonen (z.B. Großeltern, Pflegeeltern u.a.) des Kindes zu führen."

                                                                                                                       (Grundgedanken der Verfahrenspflege)

Gleich zu Beginn des Verfahrens habe ich eine eigene Verfahrenspflegerin, eine "Anwältin des Kindes", bekommen. Mensch, habe ich mir gedacht, eine Anwältin, die sich nur um mich und meine Wünsche kümmert - echt stark...

Doch leider war die Realität ziemlich ernüchternd - nix mit "Wünsche des Kindes kennenlernen" oder "Einbeziehen von Mama & Papa oder anderen Verwandten in die Entscheidungsfindung".

Nachdem dieser selbsternannte Münchhausen-Experte bei der 1. Anhörung sein Rhetorik-Feuerwerk abgeschossen hatte, stand für "meine Anwältin" das Urteil bereits fest: Sie wollte mich auf jeden Fall von meinen Eltern trennen!!!

In all den Monaten, die ich bei den Schebergs lebte, hat sie sich deshalb auch nur ein einziges Mal (Anfang November 2000) bei mir blicken lassen. Bei diesem Besuch sagte sie meiner Pflegemutter doch glatt, dass sie Mama und Papa überhaupt nicht interessieren. Warum hat sie mich eigentlich nie befragt oder warum war sie niemals dabei, wenn mich Mama und Papa besucht haben??? Ich halte dies für eine ziemlich besch...eidene "Arbeits"auffassung...

Aber die Krönung von allem waren ihre beiden Stellungnahmen, die sie sowohl an das Amtsgericht Duisburg, als auch an das Oberlandesgericht Düsseldorf geschrieben hat - ist den Richtern überhaupt klar gewesen, dass "meine Anwältin" überhaupt keine Ahnung hatte, wie es mir in den 19 Monaten bei den Schebergs ergangen ist, wie sehr ich die Nachmittage und Wochenenden mit meinen Eltern genossen habe, dass ich psychisch völlig stabil war und sehr wohl zwischen Marion & Detlef und Mama & Papa unterscheiden konnte???

Einerseits wirft sie meinen Pflegeeltern vor, dass mich Mama und Papa "entgegen der Absprache mit dem Jugendamt" täglich besuchen konnten, erwähnt aber mit keiner Silbe, dass das Jugendamt Duisburg (Pflegekinderdienst) über die ständigen Kontakte laufend informiert war... Einerseits führt sie in dramatischen Worten aus, welch' großer theoretischer Gefahr, psychisch wie physisch, ich doch ausgesetzt war - läßt aber die Tatsache, dass ich über ein Jahr nicht die geringsten Gesundheitsprobleme hatte und ich mich geistig und motorisch "überdurchschnittlich" (Zitat meines Kinderarztes) entwickelte, einfach unter den Tisch fallen. Aber wie gesagt, sie hatte sich in all den Monaten nur ein einziges mal bei mir blicken lassen und vom Schreibtisch aus konnte man solch' wichtige Dinge natürlich nicht sehen...

Ich kann auch ihre dummdreiste Kritik an der fehlenden Distanz meiner Pflegeeltern zu Mama und Papa nicht verstehen: In ihren Augen scheint es wichtiger zu sein irgendwelche Vorgaben (und seien sie auch noch so falsch) blind zu erfüllen, als schrittweise einen normalen Kontakt zu meinen Eltern, den ich ja nachweislich sehr genossen habe und der keine negativen Auswirkungen hatte, zu ermöglichen. Kann sie denn nicht verstehen, dass es für mich angenehmer war, als sich Mama & Papa und Marion & Detlef zusammengerauft haben, um das für mich Beste aus der Situation zu machen?? Aber wenn "Distanz halten" heißt, sich in 19 Monaten nur ein einziges Mal um mich zu kümmern, dann pfeif' ich gerne darauf...

Schließlich erwähnte sie mit keiner Silbe die fehlende Kooperation der Uniklinik Bonn, welche Informationen und Krankenunterlagen nur häppchenweise preisgab, obwohl "meine Anwältin" die erste war, die meine Krankenakte prüfen sollte und eigentlich hätte merken müssen, dass diese unvollständig war und bereits am 29.09.2000 (!!) endete - gerade für die Schlußfolgerungen sind die Tage nach der Trennung von meinen Eltern von entscheidender Bedeutung...

Daran sieht man ganz deutlich, dass sich mit meinen Wünschen und meinem Wohl weder "meine Anwältin" noch die anderen Offiziellen ernsthaft auseinander setzen wollten und es nur darum ging, nicht selbst in die Verantwortung genommen zu werden...